WIE MACHT DIE LIEBE ZERSTÖRT

Dieser Blogbeitrag ist der 2. Teil der mehrteiligen Reihe SPIELREGELN – DAMIT PARTNERSCHAFT GELINGT, in der ich den Versuch starte, die am meisten vorkommenden Probleme, die mir in der Arbeit mit Paaren begegnen, aufzuzeigen und Hintergründe dazu zu geben, wie diese Herausforderungen gemeistert werden können.

. Inhaltsverzeichnis:

  1. „Warum bist du nicht wie ich dich brauche“ – Veränderungswünsche an den Partner
  2. So wie du mir, so ich dir – Wie Macht die Liebe zerstört
  3. Wenn die Leidenschaft erlischt – Zu viel Nähe vs. Bindungsangst
  4. Wenn einer fremdgegangen ist – Vom Wert der Treue

Bist du bereit? Dann mach es dir bequem und lies das 2. Kapitel.

Wie Macht die Liebe zerstört

Szene aus einer Alltagssituation in einer Familie:

Die Eltern sitzen am Küchentisch, die zwei Kinder spielen in der Zeit auf dem Boden mit dem neuen Puzzle, was sie zu Weihnachten geschenkt bekamen.

Tanja schaut ihren Mann Thomas mit suchendem Blick an: „Du sag mal. Wie sieht es eigentlich auf unserem Konto aus? Ich habe das Gefühl, dass Weihnachten ein teurer Spaß war.“

Thomas achtet sie keines Blickes. Statt dessen schaut er weiter auf sein Smartphone. „Mach dir keine Sorgen. Das passt schon. Schau wie die Kinder sich über ihre Geschenke freuen. Es ist genug Geld da.“

Beide schauen nun den Kinder beim Puzzeln zu. „Ja schon. Dennoch ärgert es mich, dass ich überhaupt keinen Einblick in unsere finanziellen Mittel habe. Ich weiß nie, wieviel wir eigentlich zur Verfügung haben.“ Tanja schaut betrübt in ihre Tasse Tee.

„Was machst du dir darüber Gedanken? Brauchst du Geld? Du musst mir nur sagen, wenn du was brauchst. Du weißt doch, dass ich dir welches gebe. Wieviel brauchst du?“ Thomas steht vom Tisch auf und geht nach draußen in den Flur. Er kommt mit seiner Geldbörse zurück. „Reichen 200 Euro? Musst du schon wieder einkaufen? Mein Gott, was wir alles so essen.“ Er setzt sich wieder an den Tisch und nimmt sich erneut das Smartphone. Für ihn ist die Situation damit geklärt.

Nur Tanja ist verärgert, weil er sie damit – auch wenn er sonst ein sehr wohlwollender Partner ist – in eine unterlegene Position schubst. Er konstituiert zwischen sich und ihr ein Machtgefühl. Sie fühlt sich nicht für voll genommen und früher oder später versteckt oder sogar offen dagegen angehen. Sie schart vielleicht die Kinder um sich und macht ihren ältesten Sohn zu ihrem Vertrauten. So zwingt sie ihren Mann in eine unterlegene Position und der Machtkampf ist vollends eröffnet. Denn hat der Mann keinen Zugang mehr zu den Kindern und ist in diesem Bereich der Ohnmächtige wird ihn das zum weiteren Ausbau seiner eigenen Machtbereiche veranlassen, was wiederum bei Tanja ähnliche Gegenmaßnahmen hervorruft. Die eheliche Rüstungsspirale ist dann in vollem Gange.

Es gibt noch eine Vielzahl weiterer Machtkämpfe, die Paare nutzen: physische Überlegenheit (Männer), sexuelle Attraktivität (Frauen), Vorenthalten wichtiger Informationen oder auch Ausgrenzung aus bestehenden gesellschaftlichen Kontakten. Sie verwenden diese gegeneinander und schließen den anderen dabei aus. So stärkt dies zwar die Position des jeweils einzelnen, aber gleichzeitig schwächt es die Liebe.

Die drei Formen der Macht in Beziehungen

  1. Behinderungsmacht
  2. Begrenzungsmacht
  3. Ermöglichungsmacht

Eine Frau, die sich grundsätzlich ihrem Mann sexuell verweigert, übt auf ihn Behinderungsmacht aus, aber ebenso ein Mann, der sich grundsätzlich weigert, seiner Frau Auskunft über sein emotionales Innenleben zu geben. Hier wird dem anderen verwehrt, was er braucht, um in einer Beziehung leben zu können. Es gibt verschiedene Arten, diese Macht auf den anderen auszuüben. Man kann den anderen von oben drücken: „Lass mich das machen, du verstehst nichts davon“ oder nach unten drücken: „Plustre dich nicht so auf wie ein Hahn“.

Auch kann man ihn ins Leere laufen lassen, in dem man schweigt, passiv wird oder Zusagen macht, die man nicht hält. Behinderungsmacht wirkt sich immer negativ auf die Beziehung aus. Anders ist es bei der Begrenzungsmacht. diese kann – muss aber nicht nur – negative Auswirkungen haben. Wenn ich diese Macht ausübe, schütze ich damit einen Bereich vor den Ansprüchen des anderen: „Ich will, dass du mich ausreden lässt.“,  „Ich möchte nicht, dass du meine Post öffnest, ohne mich vorher zu fragen.“…

Immer dann, wenn der andere meine intime Grenze zu verletzen droht, ist es angemessen, ihm diese machtvoll deutlich zu machen. Denn sind die Grenzen der einzelnen erst einmal abgesteckt, kann es auch wieder zu neuen Begegnungen – innerhalb dieser Grenzen – kommen.

Die dritte Form, die sog. Ermöglichungsmacht dient dazu, dem anderen eine neue Möglichkeit, ein neues Spektrum seines persönlichen Wachstums anzubieten: „Komm doch am Wochenende mal mit zum Ski fahren, statt hier immer nur auf dem Sofa rumzugammeln.“

Natürlich übt dies einen gewissen Druck auf den anderen aus. Dennoch kann es genau dieser Druck sein, der ihm dazu verhilft, vom Sofa in die Turnschuhe zu kommen – oder, wie in meinem Beispiel, auf die Skipiste.  Dabei ist es sicher ratsam darauf zu achten, nicht zu viel Druck auszuüben, so dass sich der andere nicht überfahren fühlt. Partner sind in gewisser Weise dafür da, einander herauszufordern, damit wir Neuland betreten und dort gute Erfahrungen machen können.

Es ist, wie auf einer Wippe, wenn es gut läuft mit der Macht. Dann ist wippen eine große Freude – mal ist der eine oben, mal der andere. Auch wenn es zwischendurch mal ein kurzfristiges Gerangel um oben oder unten geht, ist dies nicht weiter schädlich. Nur darf die Wippe nicht in Schieflage auf Dauer zum Stehen kommen, sonst ist es mit der Freude bald vorbei.

Im nächsten Teil geht es darum, warum die sexuelle Leidenschaft in vielen Partnerschaften früher oder später erlischt.

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K.

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